Der Rosenkranz als Symbol
Symbol of focus, guidance, goodness, and light.
Der Rosenkranz besitzt eine tiefgründige Geschichte: Buddhistische Gebetsperlen bzw. Mala-Ketten tauchten bereits im 8. Jahrhundert v. Chr. auf, lange bevor Gebetsperlen in der katholischen Kirche verwendet wurden. Diese Mala-Perlen dienten im Buddhismus als Hilfsmittel bei der Meditation. Auch die Hindus verwendeten Mala-Perlen beim Gebet: Die hinduistische Göttin Hakini Shakti wurde mit Gebetsperlen dargestellt; diese Perlen symbolisieren Konzentration und Meditation während des Betens. Sie wurden in geführten Meditationen verwendet, um das Zählen von Chakren zu unterstützen. Traditionell befinden sich 108 Mala-Perlen auf einem Gebetsstrang. Als Marco Polo im dreizehnten Jahrhundert den König von Malabar antraf, beobachtete er, wie dieser Gebetsperlen benutzte.

Rosary Beads
Die Verwendung von Mala-Perlen hat höchstwahrscheinlich die Entstehung des christlichen Rosenkranzes beeinflusst: Frühe christliche Mönche, die als Einsiedler durch die ägyptischen Wüsten wanderten, entwickelten Gebetsperlen, um den Überblick über ihre täglichen Gebete zu behalten. Im Jahr 1214 soll der heilige Dominikus eine Vision empfangen haben, in welcher ihm die Jungfrau Maria erschien und ihm den Rosenkranz überreichte. Bis zum 20. Jahrhundert repräsentierte der Rosenkranz traditionell fünfzig Ave-Maria-Gebete; offiziell wurde der Rosenkranz ab 1569 in der Kirche verankert. Vom 16. bis zum 20. Jahrhundert gab es fünfzehn Mysterien (Geheimnisse), wobei jedes Mysterium ein Gesätz (Dekade) repräsentierte. Die Mysterien gliedern sich in die freudenreichen, die schmerzhaften und die glorreichen Geheimnisse. Die Mysterien selbst sind Meditationen über verschiedene Abschnitte im Leben Jesu: Die freudenreichen konzentrieren sich auf das frühe Leben Jesu, die schmerzhaften auf sein Leben bis zu seiner Kreuzigung, und die glorreichen Geheimnisse blicken über die Kreuzigung und Auferstehung hinaus. Im 20. Jahrhundert wurde das Fatima-Gebet am Ende eines jeden Geheimnisses hinzugefügt. Papst Johannes Paul II. führte im Jahr 2002 ein weiteres Geheimnis ein: die lichtreichen Geheimnisse (Mysterien des Lichts), welche die Taufe Jesu, die Hochzeit zu Kana, die Verkündigung des Reiches Gottes, die Verklärung Christi und die Einsetzung der Eucharistie umfassen; George Preca hatte die lichtreichen Geheimnisse bereits 1957 niedergeschrieben, doch allgemein gebräuchlich wurden sie erst nach 2002.
Der Rosenkranz wird gebetet, um die Beschwernisse des Lebens, Versuchungen und schwere Prüfungen zu bewältigen; er gilt als geistige Waffe gegen das Böse. Nach der Beichte kann ein Priester das Rosenkranzgebet als Bußübung auftragen, damit der Mensch durch Meditation zu Christus zurückfindet. Man kann alle Geheimnisse auf einmal beten oder täglich ein bestimmtes Mysterium betrachten; die katholische Kirche legt die Zuordnung der Geheimnisse von Tag zu Tag fest.
Ein Rosenkranz besteht aus einer großen Perle, gefolgt von zehn kleinen Perlen, was insgesamt 59 Perlen ergibt: Jede kleinere Perle repräsentiert einen Schritt im jeweiligen Geheimnis, während die größere Perle für das Vaterunser bestimmt ist. Am Rosenkranz befindet sich zudem ein Kruzifix, das Christus symbolisiert. Aufgrund der Verfolgung irischer Katholiken im 16. und 17. Jahrhundert wurden kleinere Zehn-Perlen-Rosenkränze hergestellt, die sich leicht in der Hand verbergen ließen; man verwendete damals oft Nägel oder einen Hahn anstelle des Kreuzes, um zu verhindern, dass der Rosenkranz von Verfolgern bemerkt wurde. Rosenkränze können aus Stein, Edelsteinen, Holz, Kunststoff oder jedem anderen Material gefertigt sein. Im 15. Jahrhundert gab es Rosenkränze auch als Fingerringe, die vor allem von Ordensschwestern getragen wurden. Ebenso wurden Rosenkranz-Armbänder und Gebetskarten entwickelt. Heute hängen viele Gläubige Rosenkränze an den Rückspiegel ihres Autos, um sich als katholisch zu bekennen.

Rosary Beads
Der Rosenkranz begegnet zu allen Zeiten in Gemälden und Kunstwerken: Größtenteils in katholischen Meisterwerken, doch auch in manchen buddhistischen und ägyptischen Wandgemälden sind Gebetsperlen integriert. In der antiken Stadt Ninive fand sich eine Skulptur zweier geflügelter Frauengestalten, die Gebetsperlen in den Händen hielten.