Runensymbole

Uralte, mystische Schriftzeichen

Runen entstanden um 150 n. Chr. als Schriftsystem der germanischen Völker. Sie wurden in Norwegen, Schweden, Dänemark, Deutschland und Großbritannien verwendet, bis das lateinische Alphabet ihren Platz einnahm. Der nordischen Mythologie zufolge brachte Göttervater Odin die Runen zu den Menschen, nachdem er sich neun Nächte lang an der Weltenesche Yggdrasil im Selbstopfer dargebracht hatte. Am letzten Tag erblickte er in den Tiefen die Runen, ergriff sie mit lautem Schrei und erlöste sich von seiner Qual. Das Wort „Rune“ geht auf die germanische Wurzel für „Geheimnis“, „Raunen“ oder „Verborgenes“ zurück. Runen galten seit jeher als magiegeladen und dienten zur Abwehr von Unheil, zur Einweihung und zur Weissagung der Zukunft.

Die historische Entwicklung gliedert sich im Wesentlichen in drei Hauptalphabete: Das ältere Futhark wurde von germanischen Stämmen vom 2. bis zum 8. Jahrhundert n. Chr. verwendet und bestand aus 24 Runen. Diese Zeichen wurden vor allem von Eingeweihten und Runenmeistern geritzt; der Stein von Kylver auf Gotland ist ein herausragendes Zeugnis dieser älteren Runenreihe.

Die angelsächsischen Runen (Futhorc) entwickelten sich in Großbritannien aus dem älteren Futhark. Sie wurden vom 5. bis zum 9. Jahrhundert verwendet, bis sie unter christlichem Einfluss vom lateinischen Alphabet verdrängt wurden. Diese Reihe umfasst 33 bis 34 unterschiedliche Runenzeichen.

Runensymbole

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Das jüngere Futhark (skandinavische Runen) umfasst 16 Runen und setzte sich ab dem 9. Jahrhundert durch. Seine Blütezeit fällt genau mit der Wikingerzeit zusammen. Diese Runen waren in ganz Skandinavien und in den Wikingersiedlungen weit verbreitet und dienten der alltäglichen Kommunikation wie auch Gedenkinschriften auf Runensteinen.

Bis heute werfen Menschen Runen als Orakel, um Einblicke in Schicksal und Zukunft zu erhalten. Für dieses Runenorakel werden traditionell die vierundzwanzig Zeichen des älteren Futhark herangezogen:

  1. Fehu-Rune: Bedeutet Vieh, beweglicher Besitz, materieller Reichtum und finanzielle Fülle.
  2. Uruz-Rune: Bedeutet Auerochse, Urkraft, Vitalität, Gesundheit und ungebändigte Stärke.
  3. Thurisaz-Rune: Bedeutet Riese (Thurs), Dorn, Durchbruch, Prüfung und Schutz vor Widerständen.
  4. Ansuz-Rune: Bedeutet Asengott (Odin), göttliche Eingebung, Botschaft, Erkenntnis und Weisheit.
  5. Raidho-Rune: Bedeutet Ritt, Reise, Fortbewegung, kosmische Ordnung und persönlicher Lebenspfad.
  6. Kenaz (Kaunaz)-Rune: Bedeutet Fackel, inneres Feuer, Erleuchtung, Kunstfertigkeit und Erkenntnis.
  7. Gebo-Rune: Bedeutet Gabe, Geschenk, Gastfreundschaft, Partnerschaft und gegenseitiger Ausgleich.
  8. Wunjo-Rune: Bedeutet Freude, Wonne, Harmonie, Fest und glückliche Erfüllung.
  9. Hagalaz-Rune: Bedeutet Hagelkorn, plötzliche Umwälzung, Transformation, Krise und Naturgewalt.
  10. Nauthiz-Rune: Bedeutet Not, Zwang, Schicksalsprüfung, Widerstand und überwindende Geduld.
  11. Isa-Rune: Bedeutet Eis, Stillstand, Konzentration, Kristallisation und innere Sammlung.
  12. Jera-Rune: Bedeutet Jahr, Ernte, gerechter Lohn, zyklischer Wandel und geduldiges Wachsen.
  13. Eihwaz-Rune: Bedeutet Eibe, Weltenbaum, Ausdauer, Schutz vor Tod und geistige Transformation.
  14. Perthro-Rune: Bedeutet Losbecher, Schicksalsgeheimnis, das Unbekannte, Geburt und okkulte Verborgenheit.
  15. Algiz-Rune: Bedeutet Elch, Schutz, göttliche Schirmherrschaft, Abwehr und Verbindung zu den Göttern.
  16. Sowilo (Sowelu)-Rune: Bedeutet Sonne, Licht, Sieg, Lebenskraft, Erfolg und Ganzheit.
  17. Tiwaz (Tyr)-Rune: Bedeutet der Gott Tyr, kosmische Gerechtigkeit, Pflichterfüllung, Ehre und Sieg.
  18. Berkano (Berkana)-Rune: Bedeutet Birke, Neuanfang, Fruchtbarkeit, Mutterschaft, Heilung und Wachstum.
  19. Ehwaz-Rune: Bedeutet Pferd, loyale Partnerschaft, stetiger Fortschritt, Vertrauen und Wandel.
  20. Mannaz-Rune: Bedeutet Menschheit, das eigene Selbst, gesellschaftliches Miteinander und Selbsterkenntnis.
  21. Laguz-Rune: Bedeutet Wasser, Lebensfluss, tiefe Intuition, Traumwelt und unbewusste Kräfte.
  22. Ingwaz (Inguz)-Rune: Bedeutet der Gott Ingvi-Freyr, innere Reifung, Keimkraft, geschützter Beginn und Potenzial.
  23. Dagaz-Rune: Bedeutet Tag, Dämmerung des Lichts, Erwachen, Durchbruch und solare Klarheit.
  24. Othala (Othela)-Rune: Bedeutet Erbbesitz, Heimat, Ahnenlinie, Familientradition und gesicherter Grund.

Runen finden sich heute in vielen Regionen Skandinaviens als traditionelle Ornamente und erfreuen sich weltweiter Bekanntheit in Kunst, Fantasy-Literatur und modernen Medien.

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