Friedhofssymbole
Die Friedhofssymbolik weist rund um die Welt und durch alle Zeiten hinweg erstaunliche Ähnlichkeiten auf. Friedhöfe sind ein sicherer Ort, um die sterblichen Überreste zu bewahren, während die Seelen weiterziehen. Die Menschen pflegen Friedhöfe, und manche sind Schauplatz alljährlicher Feste. Der Tod wird auf der ganzen Welt unterschiedlich wahrgenommen. Hier sind einige Friedhofssymbole aus antiken und historischen Zeiten.

Stein
Symbol für eine Markierung und Verankerung.
Auf einigen jüdischen Grabsteinen fallen kleine Steine auf. Sie sind nicht in den Grabstein eingemeißelt, sondern werden lose darauf abgelegt. Einige Historiker glauben, dass dies auf jene Zeiten zurückgeht, als Steinhaufen zur Kennzeichnung von Gräbern dienten. Da Steine weggeschwemmt oder abgetragen werden konnten, brachten Besucher einen neuen Stein mit, um die Markierung zu erneuern. Andere sehen in den Steinen auf dem Grabmal ein Zeichen dafür, die Seele in der Nähe des Körpers zu halten. Steine wurden auf Gräbern auch verwendet, um jüdische Priester (Kohanim) darauf aufmerksam zu machen, dass dort ein Leichnam ruhte, damit sie sich nicht näherten und sich dadurch rituell verunreinigten.

Stein auf Grab
Flammende Fackel
Symbol für Trauer, Tod, Leben, Wissen und Göttlichkeit.
Die brennende Fackel findet sich auf vielen historischen Friedhöfen. Im antiken Rom und Griechenland symbolisierte eine gekreuzte Fackel auf einem Grabmal Trauer. Eine nach unten gekehrte, verlöschende Fackel repräsentiert das Verlöschen des Lebens und den Tod, während eine aufrecht stehende, lodernde Fackel für das ewige Leben steht. Fackeln können auf einem Grabstein auch das Licht des Wissens versinnbildlichen. Auf einem christlichen Grabmal symbolisiert eine Fackel die göttliche Macht und das ewige Licht.

Flammende Fackel Friedhofssymbol
Cherubim (Engelköpfchen)
Symbol für Wiedergeburt und Schutz.
Das Cherubim-Symbol auf einem Grabstein ist eine Weiterentwicklung des geflügelten Totenkopfs puritanischer Gräber. Es stellt die Wiedergeburt der Seele im Himmel dar. Cherubim wurden bereits vor dem 17. Jahrhundert häufig auf Kindergräbern angebracht. Sie repräsentieren einen Schutzengel, der die Seele des Kindes auf dem Weg in den Himmel behütet.

Cherub-Symbol auf einem Grabstein
Sanduhr
Symbol für Tod und Zeit.
Das Symbol der Sanduhr war im 17. und 18. Jahrhundert auf Grabmälern weit verbreitet. Eine einfache Sanduhr symbolisierte das Verstreichen der irdischen Lebenszeit. Eine Sanduhr mit Flügeln versinnbildlichte das unaufhaltsame Verfliegen der Zeit (Tempus fugit). Sie war eine Mahnung an die Vorübergehenden, den Tag zu nutzen (Carpe Diem) und das Leben in vollen Zügen zu leben. Sie erinnerte zugleich daran, wie schnell die irdische Existenz zerrinnt.

Sanduhr Grabstein
Schlange
Symbol für Ewigkeit, Macht, Weisheit, Medizin, Heilung und Beredsamkeit.
Schlangen auf Grabsteinen können unterschiedliche Bedeutungen tragen. Im alten Ägypten war das Ouroboros-Symbol einer Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt, ein Sinnbild von Leben und Tod sowie des ewigen Kreislaufs. Eine kreisförmige Schlange auf einem Grabstein steht für die Ewigkeit. Eine Schlange, die sich mit einer anderen umschlingt, kann Macht und Weisheit repräsentieren. Im antiken China stehen zwei ineinander verschlungene Schlangen für Yin und Yang. Eine Schlange, die einen Stab umwindet (Äskulapstab), ist das universelle Symbol für Medizin und Heilkunst. Ein geflügelter Stab mit zwei Schlangen (Hermesstab/Caduceus) symbolisiert Beredsamkeit und Handel. Grabsteine mit einem Schlangenstab markieren in moderner Zeit häufig das Grab eines Arztes.

Schlange auf Grabstein
Sonne
Symbol für Wiedergeburt und Tod.
Sonnen auf Grabsteinen sind Symbole des Todes und der Auferstehung. In Europa waren vor dem 19. Jahrhundert die meisten Gräber gen Osten, zur aufgehenden Sonne hin, ausgerichtet. Ein Sonnensymbol auf einem Grabstein kann das Ende des irdischen Lebens und den Eintritt ins Jenseits bzw. die Wiedergeburt symbolisieren. Viele antike Zivilisationen glaubten an ein Weiterleben nach dem Tod, und die Sonne war das wichtigste Sinnbild dieser zyklischen Erneuerung.
Obelisken
Symbol für Ra, Königtum und Verbindung.
Obelisken finden sich auf vielen Friedhöfen, deren Ursprung bis ins alte Ägypten zurückreicht. Obelisken galten den Ägyptern als erstarrte Strahlen des Sonnengottes Ra und stellten den irdischen Sitz des Sonnengottes dar. Im England des 18. Jahrhunderts ließen sich wohlhabende Persönlichkeiten gerne mit einem Obelisken auf ihrem Grab bestatten, als Ausdruck von Adel und Würde. Später symbolisierte der Obelisk die Brücke zwischen Himmel und Erde sowie das Band zwischen den Lebenden und den Toten.

Obelisk Grabstein
Gebrochene Säule
Symbol für einen frühen Tod.
Säulen, die absichtlich wie abgebrochen gestaltet wurden, repräsentierten ein jäh abgebrochenes Leben. Eine geknickte Rosenknospe symbolisiert ähnlich ein Mädchen, das vor dem Erreichen des Erwachsenenalters verstarb. Eine zerbrochene Säule oder ein zerrissenes Kettenglied steht für etwas, das unvollendet zu einem jähen Ende kam – das Leben eines Menschen, der viel zu früh aus der Mitte seiner Lieben gerissen wurde.

Gebrochene Säule Grabstein
Urne
Symbol der Unsterblichkeit.
Im antiken Griechenland und in Ägypten dienten Urnen dazu, die Asche oder die Organe aufzunehmen, während die Seele ins Jenseits überging. Pharaonen wurden mit Kanopenkrügen bestattet, die ihre lebenswichtigen Eingeweide enthielten. Sie glaubten, dass der Verstorbene im Jenseits wieder unversehrt auferstehen würde und seine Organe benötige. Später wurden Urnen auf Grabmälern verwendet, um zu versinnbildlichen, dass die irdische Hülle auf Erden verbleibt, während die Seele gen Himmel aufsteigt. Sie waren ein Zeichen der Unsterblichkeit. Eine mit einem Tuch drapierte Urne symbolisierte die feine Trennlinie zwischen den Lebenden und den Toten.

Urne Grabstein
Baum
Symbol für Ewigkeit, Verbindung und Langlebigkeit.
Der Baum ist ein uraltes Symbol des Lebens und der Ewigkeit. Er verbindet mit seinen Wurzeln die Unterwelt und mit seiner Krone den Himmel. Baumsymbolik findet sich auf Gräbern seit frühester Zeit. Muslime pflanzen Bäume auf Gräbern, um den Verstorbenen mit Gott zu verbinden. In Afrika gilt der Affenbrotbaum (Baobab) als Baum des Lebens. Dort wurden Weise und Geschichtenerzähler in hohlen Baobab-Bäumen beigesetzt, um sie mit der Gemeinschaft verbunden zu halten. Man wollte die Weisen nicht unter der Erde begraben, damit ihr Wissen nicht verloren gehe, sondern bettete sie in die heiligen Bäume ein. Bäume auf Grabsteinen stehen zudem für ein langes, erfülltes Leben.

Baum Grabstein