Symbole der Sieben Todsünden

Die Lehre von den Sieben Todsünden (Hauptsünden) wurde um 370 n. Chr. von dem griechischen Wüstenmönch Evagrios Pontikos erstmals systematisiert. Die klassischen Hauptsünden sind Habgier (Geiz), Hochmut (Stolz), Zorn, Wollust, Neid, Völlerei (Maßlosigkeit) und Trägheit (Überdruss). Obwohl sie im Volksbewusstsein heute fest mit der Bibel verknüpft sind, findet sich diese Siebenerliste im biblischen Kanon nicht wörtlich. Die Sieben Todsünden prägten die europäische Kunst, Theologie und Literatur über Jahrhunderte hinweg und besitzen weltweite Bekanntheit.

Habgier (Geiz)

Symbol für unmäßiges Begehren, Raffsucht und Egoismus.

Habgier wird symbolisch häufig durch einen Frosch oder eine Kröte dargestellt, die sowohl zu Lande als auch im Wasser lebt und gierig nach Beute schnappt. Ein weiteres verbreitetes Tiersymbol ist der Wolf: Sowohl in Europa als auch in China galt der Wolf als unersättlich und beutegierig. Auch der Fuchs wird mit Geiz und Diebstahl assoziiert. In der modernen westlichen Gesellschaft gilt das Dollarzeichen ($) als universelles Sinnbild des Mammons und der Geldgier. Im Sanskrit und Buddhismus bildet die Gier (Lobha) neben Verblendung (Moha) und Abneigung (Dvesha) eines der drei Geistesgifte. Farblich wird Habgier traditionell durch Gelb – die Farbe des Goldes – symbolisiert.

Habsucht Sünde

Hochmut (Stolz)

Symbol für Arroganz, Überheblichkeit und Selbstverliebtheit.

Das herausragende Symbol des Hochmuts ist der Pfau, besonders wenn er sein prachtvolles Rad schlägt. Die Redewendung „stolz wie ein Pfau“ lässt sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. In der mittelalterlichen Ikonographie galt zudem ein Ritter hoch zu Ross als Sinnbild stolzer Selbstüberhebung; auch das Pferd selbst steht für unbändigen Stolz. Purpur galt von jeher als Farbe kaiserlicher und fürstlicher Würde der höchsten Ränge und wird symbolisch dem Hochmut zugeordnet.

Hochmut Sünde

Zorn

Symbol für Wut, Raserei, Rachsucht und blinden Hass.

Bären verkörpern den unbändigen Zorn: Die keltische Schutzgöttin Artio trat in Bärengestalt auf, und eine Bärenmutter verteidigt ihre Jungen mit furchterregender Wildheit. Auch Drachen versinnbildlichen den zerstörerischen Zorn als Inbegriff ungezähmter Urgewalten. Die symbolische Farbe des Zorns ist leuchtendes Rot: Ist ein Mensch von rasender Wut gepackt, sagt man im Volksmund, er „sehe rot“, und der Begriff „auf frischer Tat ertappt“ (im Englischen „caught red-handed“) erinnert an blutbefleckte Hände nach einer Gewalttat.

Zorn Sünde

Wollust

Symbol für fleischliches Verlangen, unstillbare Begierde und Ausschweifung.

Die Kuh galt in alten Fruchtbarkeitskulten (wie im Kult der ägyptischen Liebesgöttin Hathor) als Symbol animalischer Zeugungskraft und Lust. Zudem ist die Schlange das archetypische Sinnbild der Verführung: Sie brachte den Sündenfall in den Garten Eden, als sie Eva verleitete, von der Frucht des Baumes der Erkenntnis zu kosten. In abrahamitischen Religionen steht die Schlange für sexuelle Verführungskraft. Sowohl feuriges Rot als auch kühles Blau werden mit Wollust und dem Ursprung der Sünde verknüpft.

Wollust Sünde

Neid

Symbol für Missgunst, Missgunst, Eifersucht und Rivalität.

Neid wird bildhaft oft als abgemagerter, hungriger Hund dargestellt, der missgünstig auf das Futter seiner Artgenossen starrt. In der Astrologie und Traumdeutung gelten Schlangen als Anzeichen von Eifersucht und Verrat. Auch Fledermäuse, die lautlos im Schutz der Finsternis jagen, stehen für Neid. Als Farbe des Neides gilt weltweit Grün („grün vor Neid sein“ – eine Wendung, die sich bis in die griechische Antike des 7. Jahrhunderts v. Chr. zurückverfolgen lässt); bisweilen wird auch giftiges Gelb mit Neid assoziiert.

Neid Sünde

Völlerei (Maßlosigkeit)

Symbol für masslose Selbstsucht, Hemmungslosigkeit und Rausch.

Das klassische Symbol der Völlerei ist das Schwein, das für hemmungsloses Fressen steht. Geier und Tigerhaie versinnbildlichen ebenfalls unstillbare Fressgier: Geier balgen sich gierig um Aas, während Tigerhaie alles verschlingen, was ihren Weg kreuzt, selbst eigene Artgenossen. Im antiken Mythos verkörperte Bacchus (Dionysos) den Gott des Weines und ausschweifender Gelage, während Hedone die griechische Göttin der Sinneslust war. Die Farbe Orange gilt als appetitanregend und wird deshalb der Völlerei zugeordnet.

Völlerei

Trägheit (Acedia)

Symbol für Faulheit, Apathie, Trübsinn, Aufschieberitis und seelische Erstarrung.

Das augenfälligste Tiersymbol der Trägheit ist das Faultier, das in der Verhaltenssymbolik für Lethargie und fehlenden Antrieb steht. Auch Ziegenböcke und der Kuckuck dienen als Sinnbilder: Der Kuckuck legt seine Eier faul in fremde Nester und überlässt die mühsame Aufzucht anderen Vögeln. Das Phänomen des Sündenbocks spiegelt geistige Bequemlichkeit wider, da man willkürlich anderen die Schuld aufbürdet. Farblich stehen träumerisches Blau und tiefes Schwarz (in Indien die Farbe des Trägheitsprinzips Tamas) für Indolenz und Apathie.

Trägheit Sünde

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