Wikingersymbole

Symbole und Mythologie der Wikinger

Die Wikinger hatten ihre Heimat vom 8. bis zum 11. Jahrhundert in Skandinavien. Ihr Einflussbereich dehnte sich durch kühne Seefahrten und Beutezüge rasch über ganz Europa aus. Die Epoche von 793 bis 1066 n. Chr. ging als Wikingerzeit in die Weltgeschichte ein – eine Zeit, in der die Nordmänner die Meere beherrschten. Ihre Handels- und Kriegszüge führten sie über die britischen Inseln, das Frankenreich und die Flusssysteme Russlands bis ins Mittelmeer und nach Nordafrika. Bevor das lateinische Alphabet Einzug hielt, nutzten die Wikinger Runen als Schriftsystem. Sie lebten in einer polytheistischen Religion und begleiteten ihr alltägliches wie kriegerisches Dasein mit einer Fülle kraftvoller Bildsymbole.

Hier sind einige der bekanntesten Wikingersymbole dargestellt:

Wikingersymbole

Die Wikingeraxt

Symbol für unbändige Kampfkraft und Furchtlosigkeit

Die Bartaxt war die charakteristische Waffe auf den Schlachtfeldern der Wikingerzeit. Sie unterschied sich deutlich von modernen Holzfälleräxten: Die Wikinger bevorzugten leichte, handliche Klingen, die sich schnell schmieden und im Kampf vielseitig einsetzen ließen. Die Wikingeraxt besaß eine einzige, oft weit geschwungene Schneide; die untere Hakenspitze (Bart) diente dazu, gegnerische Schilde wegzureißen oder Reiter vom Pferd zu ziehen. Die Axt versinnbildlicht Mut, Entschlossenheit und kriegerische Schlagkraft.

Wikingeraxt

Wikingeraxt

Mjölnir (Thorshammer)

Symbol für kosmische Macht, Schutz, Weihung und Segen

Thor war der nordische Gott des Donners, des Wetters und der Beschützer Midgards. Wann immer ein Gewitter über das Land rollte, wussten die Wikinger, dass Thor seinen gewaltigen Hammer schwang. Mjölnir vermochte Riesen zu zerschmettern und ganze Berge einzureißen. Von den kunstfertigen Zwergen Brokkr und Sindri geschmiedet, verfehlte der Hammer niemals sein Ziel und kehrte nach jedem Wurf wie ein Bumerang in Thors gepanzerte Hand zurück. Zudem besaß Mjölnir die Gabe der Wiederbelebung: Schlachtete Thor seine Wagenzieher-Böcke Tanngrisnir und Tanngnjostr zum Mahle, brauchte er am nächsten Morgen nur ihre Felle und Knochen mit Mjölnir zu weihen, und die Tiere sprangen lebendig und unversehrt wieder auf. Mjölnir segnete Geburten, Eheschließungen und Bestattungen; Wikinger trugen Hammeramulette als Schutz vor Sturm, Unheil und bösen Geistern.

Mjölnir (Thorshammer)

Berserker

Symbol für heilige Kampfwut, unbändige Raserei und Leibwache

Die Berserker waren gefürchtete Krieger des Nordens. Im Rausch der Schlacht gerieten sie in eine ekstatisches Trance (Berserkergang), in der sie weder Schmerz noch Furcht kannten und schonungslos über ihre Feinde herfielen. Gewöhnlich kämpften sie ohne schwere Rüstung, gehüllt in das Fell von Bären, deren Urkraft sie verehrten und in sich aufnahmen. Der Sage nach vermochten weder Eisen noch Feuer ihren Leib zu verletzen; sie heulten wie Wölfe, bissen in ihre Schilde und schäumten vor Wut. Könige schätzten Berserker als Elitetruppen und persönliche Leibwächter. Die Bärenfellmützen der königlichen dänischen Leibgarde erinnern bis heute an das archaische Erbe der Bärenkrieger.

Berserker

Berserker

Das Wolfs-Symbol

Symbol für Treue zum Rudel, Schutz, wilde Zerstörung und Raubtierkraft

In der Wikinger-Überlieferung besitzt der Wolf sowohl lichte als auch unheilvolle Aspekte. Neben den bärengleichen Berserkern gab es eine Bruderschaft von Kriegern namens Ulfhednar („Wolfspelze“). Diese waren dem Göttervater Odin geweiht, kämpften im Rudel auf den Schlachtfeldern und trugen die Felle von Wölfen. Sie galten als unbezwingbare Beschützer ihrer Gemeinschaft, deren Seelen nach dem Tod Einzug in Valhall hielten.

Wikinger-Wölfe Symbol

Wikinger-Wölfe Symbol

Demgegenüber steht der Fenriswolf (Fenrir), der Sohn Lokis und der Riesin Angrboda. Fenrir wuchs zu einem gigantischen Ungeheuer heran, das selbst den Göttern Furcht einflößte. Erst mit der magischen Zwergenfessel Gleipnir gelang es den Asen, ihn zu binden. Nach dem Mythos liegt Fenrir gefesselt und sinnt auf Rache: Beim Anbruch von Ragnarök wird er seine Ketten sprengen, Sonne und Mond verschlingen und Odin auf dem Schlachtfeld von Vigrid verschlingen. Fenrir verkörpert die elementare Zerstörungskraft des Kosmos, die sich von Menschenhand nicht zähmen lässt.

Das Wikinger-Langschiff (Drakkar)

Symbol für maritime Überlegenheit, Entdeckergeist und Meisterschaft

Die Wikinger verdankten ihre weltgeschichtliche Wirkung ihren hochseetauglichen Langschiffen. Diese Meisterwerke des Bootsbaus konnten gerudert oder gesegelt werden und trotzten den stürmischen Wogen des Nordatlantiks. Dank ihres geringen Tiefgangs konnten sie sowohl tiefe Ozeane befahren als auch seichte Flüsse hinaufgleiten, was ihnen den entscheidenden Überraschungsmoment verschaffte. Der geschwungene, oft mit geschnitzten Drachenköpfen verzierte Bug trug ihnen bei den Völkern Europas den Namen Drachenschiffe (Drakkar) ein. Mit diesen Schiffen erreichten die Wikinger Grönland und Nordamerika (Vinland). Bei Bestattungen wurden Häuptlinge oft in ihren Prachtschiffen beigesetzt, um die Reise ins Jenseits anzutreten.

Wikingerschiff

Wikingerschiff

Die nordische Mythologie kennt zwei legendäre Schiffe: Zum einen Skidbladnir, das Wunderschiff des Fruchtbarkeitsgottes Freyr, das stets günstigen Fahrwind hatte, alle Götter mit Rüstung tragen konnte und sich wie ein Tuch so klein zusammenfalten ließ, dass es in Freyrs Tasche passte. Zum anderen Naglfar, das Totenschiff der Unterweltsherrscherin Hel: Es wird aus den ungeschnittenen Fingernägeln der Toten gezimmert und wird bei Ragnarök von Loki und den Riesen gesteuert, um Asgard, die Festung der Götter, anzugreifen.

Der Eber (Gullinborsti)

Symbol für Ernteglück, Fülle, Frieden und Kampfeslust

Der Eber verkörpert in der nordischen Tradition Fülle, Glück und Wohlergehen. Er ist das heilige Begleittier des Geschwisterpaares Freyr und Freyja: Freyjas Eber trägt den Namen Hildisvini („Kampfschwein“), auf dessen Rücken die Göttin in die Schlacht reitet. Freyrs Eber heißt Gullinborsti („Goldborste“): Von den Zwergen geschmiedet, erstrahlen seine goldenen Borsten so hell, dass er jede Finsternis erhellt und schneller als jedes Ross durch Luft und Wasser eilt. Zu Julfesten opferten die Wikinger den Göttern traditionell einen Eber (Sonargöltr), um Frieden und reiche Ernte zu erflehen.

Wikinger-Eber Symbol

Wikinger-Eber Symbol

Der Valknut (Wotansknoten)

Symbol für Tapferkeit, Schicksalsverbundenheit, Heldentod und Valhall

Der Valknut („Knoten der Gefallenen“) ist das heilige Zeichen Odins und der im Kampf gefallenen Krieger (Einherjer). Die nordische Kosmologie kannte unterschiedliche Reiche für die Verstorbenen: Wer an Krankheit oder Altersschwäche starb, fuhr hinab in die neblige Unterwelt Hel, die von der Göttin gleichen Namens beherrscht wird. Andere Seelen weilten am heiligen Ahnenberg Helgafjell.

Das ersehnteste Schicksal eines Nordmanns war jedoch der ehrenvolle Tod mit dem Schwert in der Hand: Solche Helden wurden von den Walküren vom Schlachtfeld aufgelesen und hoch nach Valhall getragen. Dort zechten und fochten sie mit Odin, um bei Ragnarök an der Seite der Asen in die letzte Entscheidungsschlacht zu ziehen.

Valknut

Die drei ineinander verschlungenen Dreiecke des Valknut versinnbildlichen die drei Existenzebenen, während ihre neun Ecken für die Neun Welten der Weltenesche Yggdrasil stehen.

Der Vegvisir (Wikinger-Kompass)

Symbol für Wegweisung, Orientierung und sichere Heimkehr

Der Vegvisir („Wegweiser“) ist eine achtstrahlige magische Schutzgaldr (Zauberzeichen), die den Träger davor bewahren soll, sich in Unwetter und Stürmen zu verirren. Das isländische Zauberbuch Galdrabók beschreibt den Vegvisir als mächtiges Schutzsiegel, das einst mit Blut geritzt wurde. Jeder der acht Strahlen trägt komplexe Runenstäbe, die den acht Himmelsrichtungen entsprechen.

Vegvisir (Wikinger-Kompass)

Vegvisir (Wikinger-Kompass)

Das Schutzzeichen wurde auf Schiffe gemalt und von Seefahrern auf der Stirn oder als Amulett getragen, um auch auf unkartierten Wegen stets sicher nach Hause geleitet zu werden. Bis heute ist der Vegvisir ein beliebtes Schmuck- und Tattoo-Motiv.

Vegvisir (Wikinger-Kompass) Anhänger

Vegvisir (Wikinger-Kompass) Anhänger

Odins Raben (Hugin und Munin)

Symbol für Allweisheit, Erkenntnis, Gedankenflug und Totenwacht

Odin wird stets von seinen beiden Raben Hugin („der Gedanke“) und Munin („das Gedächtnis“) begleitet. Schon in vorgeschichtlichen Bronze- und Eisenzeitfunden erscheint der einäugige Wanderer mit den schwarzen Vögeln. Erblickte ein Wikinger nach einem Opfer an Odin einen Raben, galt dies als Zeichen, dass die Götter die Gabe wohlwollend angenommen hatten. Da Raben als Aasvögel Schlachtfelder begleiteten, verknüpften die Menschen sie eng mit den gefallenen Kriegern für Valhall.

Jeden Morgen entsendet Odin die Raben in alle Neun Welten; bei Einbruch der Dämmerung kehren sie zurück, setzen sich auf seine Schultern und flüstern ihm ins Ohr, was sie auf Erden erspäht haben. Im Kampf wachen sie an seiner Seite und warnen ihn vor den Schritten der Feinde.

Odins zwei Raben

Kunst von Vanessa Foley

Der Helm der Ehrfurcht (Aegishjalmur)

Symbol für Siegermacht, Furchtlosigkeit, magische Schutzwehr und Bannung

Der Helm der Ehrfurcht (Aegishjalmur) ähnelt im Aufbau dem Vegvisir, weist jedoch acht identische, zackenförmige Strahlen auf. Die Wikinger nutzten dieses Zeichen als Schutzzauber in der Schlacht: Es bündelt die kosmischen Kräfte von Sieg und Eis, was für die seelische Erstarrung aller Furcht und das Härten des Geistes vor dem Gefecht steht. In der Völsunga-Saga trug der Lindwurm Fafnir den Aegishjalmur zwischen den Augen und schlug damit jeden Angreifer in die Flucht.

Krieger zeichneten das Schutzzeichen mit Blei oder Blut auf ihre Stirn zwischen die Brauen – dorthin, wo das Dritte Auge und die Zirbeldrüse verortet werden. Es bot physischen, mentalen und spirituellen Schutz, bannte die eigene Angst und flößte den heranstürmenden Feinden lähmenden Schrecken ein.

Helm der Ehrfurcht (Aegishjalmur)

Helm der Ehrfurcht (Aegishjalmur)

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