Der Bischofsfisch
Symbol of divinity, doom, destruction.
Der Bischofsfisch (auch Meeresbischof genannt) ist ein sagenhaftes Meereswesen aus den Naturgeschichten und Bestiarien des 16. Jahrhunderts, das einem Mönch mit geschorenem Haupt bzw. einem Bischof ähnelt. Sein Leib ist von Schuppen bedeckt und läuft in einen Fischschwanz aus, während seine Flossen an weite Priestergewänder oder Klauen erinnern; sein markanter Kopf ähnelt der Mitra eines katholischen Bischofs. Der Legende nach wurde ein Bischofsfisch im 15. Jahrhundert (um 1433) von Fischern in der Ostsee gefangen und an den Hof des Königs von Polen gebracht. Der König hielt das Wesen gefangen, woraufhin eine Delegation katholischer Bischöfe eine Audienz erbat: Durch stumme Gesten flehte der Bischofsfisch die Geistlichen an, ihn wieder ins Meer zu entlassen. Die Bischöfe überredeten den König, das Wesen freizulassen; ins Wasser zurückgebracht, schlug der Bischofsfisch zum Abschied das Zeichen des Kreuzes über die Bischöfe, bevor er in den Fluten verschwand. Auch aus späteren Jahrhunderten wurden angebliche Sichtungen berichtet, bei denen gefangene Exemplare jedoch rasch verendeten.
In Seemannssagen hieß es, der Bischofsfisch besitze die finstere Gabe, Fischerboote in schwere Stürme zu verstricken: Er umschließe das Schiff mit seinen riesigen Flossen und halte es gefangen, um Lebenskraft zu absorbieren; erst wenn er gesättigt sei, gebe er das Schiff frei und das Unwetter lege sich.
