Königliche Symbole
Im Laufe der Geschichte haben einflussreiche Adelsgeschlechter, Institutionen und Staatswesen stets symbolische Bildsprache genutzt, um sich darzustellen und ihre Identität zu bekunden. Im mittelalterlichen Europa wählten feudale Herrscherdynastien vielschichtige Wappenbilder und Zeichen, um ihrer Herrschaft Prestige, Glanz und unverwechselbare Würde zu verleihen.

Königliche Symbole
Es war unter Königs- und Fürstenhäusern besonders gebräuchlich, Tierfiguren als Wappentiere zu wählen, um den Geist ihrer Dynastie oder den Charakter ihres Landes bildhaft zum Ausdruck zu bringen. Hier sind einige der bedeutendsten heraldischen königlichen Symbole der europäischen Ikonographie aufgeführt:
Der Löwe
Mut, Adel, königliche Hoheit, Kraft und Tapferkeit.
Als das mit Abstand verbreitetste Wappentier der Heraldik verkörpert der Löwe königliche Erhabenheit, unerschrockenen Mut, Stärke und kühne Tapferkeit. Im christlichen Kontext besitzt der Löwe tiefe theologische Bezüge – etwa als Löwe aus dem Stamme Juda oder durch die biblische Erzählung von Daniel in der Löwengrube.

Königliches Löwensymbol
Das Ameisen-Symbol (Emmet)
Die Ameise (in der angelsächsischen Heraldik als „Emmet“ oder „Pismire“ bezeichnet) ist ein bemerkenswertes Wappenzeichen. Die heraldische Ameise steht traditionell für unermüdlichen Fleiß, weise Vorratshaltung, Organisationstalent und beharrliche Pflichterfüllung im Dienste der Gemeinschaft.

Ameisensymbol (Emmet)
Das Fabeltier Enfield
Der Enfield ist ein heraldisches Mischwesen mit dem Kopf eines Fuchses, den Krallen eines Adlers und dem Rumpf eines Löwen; bisweilen wird er auch mit den Hinterbeinen eines Wolfes und mit Schwingen dargestellt.
Geschichtlich trat der Enfield erstmals im Wappen des alten irischen Geschlechts der Ó Cellaigh (heute O'Kelly) in Erscheinung, wo er als wachsamer Beschützer fungierte.

Enfield
Das Hecht-Symbol (Ged)
Der Begriff „Ged“ bezeichnet in der altnordischen und schottischen Heraldik den Hecht (Esox lucius). Der Hecht ist ein klassisches Beispiel für ein „redendes Wappen“ (Canting Arms), bei dem das Wappentier eine lautliche Anspielung auf den Familiennamen darstellt – wie beim Wappenabzeichen des schottischen Clans Ged.
Der Hecht erscheint aus demselben Grund auch in den Wappen mehrerer normannischer Familien namens „de Lucy“, da ein altes englisches Wort für Hecht „Luce“ lautet.

Hechtsymbol (Ged)
Das Wolfs-Symbol
Obwohl Wölfe im mittelalterlichen Volksglauben oft als grimmige Raubtiere gefürchtet wurden, verband man mit ihnen in der adeligen Ritterschaft zugleich edle Führungsstärke, Treue zum Rudel und ungezähmten Mut. Dementsprechend nimmt der Wolf in der europäischen Heraldik einen festen Platz ein – zu finden in den Wappen finnischer Gemeinden sowie der Familie Salazar aus Navarra.

Wolfssymbol
Das Bären-Symbol
Obwohl Bären in der europäischen Heraldik seltener als Löwen oder Wölfe vorkommen, schmücken sie renommierte Wappen. Ähnlich wie der Hecht diente der Bär häufig in redenden Wappen für Familien wie Barnard, Baring, Barnes oder Bearsley (sowie für Städte wie Bern und Berlin).
In Regionen, in denen der wilde Bär früh ausgerottet war (wie in Irland), wird das Tier in Wappen oft mit einem Maulkorb versehen abgebildet.

Bärensymbol
Das Stier-Symbol
Stiere und Rinder zieren die Wappen zahlreicher britischer und kontinentaler Adelsgeschlechter sowie ehrwürdiger Zünfte wie der Londoner Worshipful Company of Butchers.
Der Stier symbolisiert seit Urzeiten Fruchtbarkeit, Beharrlichkeit, schützende Urkraft, Geduld und unermüdliche Standhaftigkeit. Schon in antiken Stierkulten (etwa auf Kreta oder im alten Ägypten als Apis-Stier) verkörperte er göttliche Zeugungskraft.

Stiersymbol
Das Hirsch-Symbol
Heraldischen Quellen zufolge repräsentiert der Hirsch Frieden, Sanftmut, Waldesharmonie und ein friedfertiges Miteinander. Hirsche gelten als edle Tiere, die nur kämpfen, wenn sie provoziert werden.
Der Hirsch dient unter anderem als Schildhalter im Landeswappen von Baden-Württemberg, das aus der Vereinigung von Württemberg-Baden und Württemberg-Hohenzollern hervorging.
Das Schweine- und Eber-Symbol
Wildschweine, Keiler und Eber fanden bereits lange vor der Entstehung der mittelalterlichen Heraldik Eingang in die europäische Kriegskunst. Der Keiler diente mehreren römischen Legionen als Feldzeichen und erfreute sich bei keltischen und germanischen Kriegern höchster Wertschätzung. In der Heraldik steht der Eber für unerschütterliche Kampfeslust, Furchtlosigkeit und Verteidigungsbereitschaft.
Das Pferde-Symbol
Pferde waren im Verlauf der gesamten Menschheitsgeschichte von großer Bedeutung für den Ausdruck militärischer Macht, für Kommunikation und das Reisen. Dementsprechend repräsentieren Pferde in der Heraldik typischerweise Kampfbereitschaft und eine wesentliche Stütze der organisierten Zivilisation.
Pferde erscheinen in den Wappen von Angomont, Apfingen, dem 2. Feldartillerie-Regiment der spanischen Armee und Litauen.